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Flying Dolls – von Christian Lartet

Vor zwei Wochen hatte ich das Vergnügen, ein gut 2,5-stündiges Skype-Gespräch mit einem wirklich netten Mann zu führen. Dieser Mann, der bei mir auf dem Bildschirm erschien, lebt bereits seit über 16 Jahren im idyllischen Südfrankreich und hat in seinen 32 Jahren bei der KLM mehr von der Welt gesehen, als wir (glaube ich) jemals erleben werden. Christian Lartet (@crochetwithchris) ist seit letztem Januar aus seinem Job als Purser bei Schiphols größter Fluggesellschaft in den Ruhestand getreten, hat aber während dieses Lockdowns nicht untätig herumgesessen und nur Flaschen französischen Weins entkorkt. Nein, dieser kreative Kopf hat neben Sitzbezügen aus alten Jeans, gehäkelten Mosaikdecken und Kakteen ein fantastisches Amigurumi-Buch herausgebracht – eines, das man unbedingt in seiner Bastelecke stehen haben möchte! Neugierig auf unser Gespräch über sein neues Buch „Flying Dolls“ und Christians Karriere in der Luft? Dann lies schnell weiter!

Christian, könntest du uns ein bisschen mehr über dich erzählen?


„Was für eine große Frage! :) Ich bin 56 Jahre alt und lebe bereits seit 16 Jahren in Südfrankreich, bin aber in der Provinz Zeeland geboren und aufgewachsen. Nach dem Gymnasium habe ich an der Akademie für Jugendsozialarbeit angefangen. Während meiner Praktika wurde mir klar, dass dieser Bereich nicht meine Berufung war. Schließlich habe ich für meine Abschlussarbeit ein Theaterstück inszeniert, das ich nach meinem Abschluss im ganzen Land aufführen durfte. Danach habe ich noch einige Shows produziert, die mich schließlich für ein paar Jahre am Theater gehalten haben. Das Leben auf der Bühne hat mir Spaß gemacht, aber ich hatte schnell genug davon. Ich wollte mal etwas anderes ausprobieren und kam auf die Idee, zu fliegen; ich wollte Flugbegleiter werden. Damals nahm das Bewerbungsverfahren, das man durchlaufen musste, ab und war weniger kompliziert und langwierig als heute. Ich hatte bereits einen Havo- und einen HBO-Abschluss in der Tasche, sodass ich bei KLM eine zweimonatige interne Ausbildung erhielt. In diesen Monaten lernte ich die Flugsicherheitsvorschriften und musste auswendig wissen, wo sich die Zuckertütchen, die Milch und die Streichhölzer an Bord befanden. Heutzutage gehört da schon einiges mehr dazu!“

Wann hast du mit dem Häkeln angefangen?


„Ich besuchte eine kleine christliche Grundschule. Meine Klasse bestand aus sechs Kindern: fünf Mädchen und ich. Die Mädchen hatten alle Handarbeitsunterricht bei der Lehrerin. Mit den Jungen aus der höheren Klasse hatte ich Werkunterricht, zum Beispiel Laubsägen. Das gefiel mir überhaupt nicht, denn ich wollte lieber mit meinen Freundinnen basteln. Meine Eltern und die Grundschule fanden das in Ordnung, also durfte ich Handarbeit machen! Ich häkele und stricke daher schon, seit ich sieben oder acht Jahre alt war, aber ich nähe zum Beispiel auch. So habe ich kürzlich Stuhlbezüge aus alten Jeans genäht und eine alte Vase in eine Lampe verwandelt. Ich mache also alles Mögliche!“

Hast du schon einmal in der Luft gehäkelt oder gestrickt?


„Nein, das nicht. Ich habe schon mal ein paar Mädchen im Flugzeug gesehen, die gehäkelt haben und sichtlich Hilfe brauchten. Den habe ich dann geholfen. Aber ich habe schon Projekte im Koffer mitgenommen, wie Decken und Mandalas in vielen Farben, an denen ich dann am Reiseziel weitergearbeitet habe. So habe ich zum Beispiel einmal eine Decke auf eine Flugreise nach Mexiko mitgenommen. Während meines Aufenthalts in Mexiko gab es ein Erdbeben. Nur war ich zum Zeitpunkt des Erdbebens zufällig nicht in der Stadt. In meinem Hotelzimmer lag die Decke, die ich als Häkelprojekt in meinen Koffer gepackt hatte. Zwei Tage nach dem Erdbeben kam ich zurück ins Hotelzimmer und stellte fest, dass leider verschiedene Dinge durch diese Naturkatastrophe zu Bruch gegangen waren. Meine Decke hingegen war unbeschädigt und lag wie ein stiller Zeuge auf dem Bett. Sie hat das Erdbeben vollständig miterlebt, daher hat sie einen ganz besonderen Platz bekommen und wird mich auch nie mehr verlassen.“



Nun hast du das sehr schöne Buch „Flying Dolls“ herausgebracht. War dein Leben bei der KLM die Inspiration für dieses Buch?


„Alle Geschichten, die in dem Buch stehen, habe ich selbst erlebt. Die Hauptfigur, Jackie, ist daher auch an mich angelehnt. Den Namen habe ich vom Vornamen meiner französischen Schwiegermutter Jacqueline abgeleitet, und das Aussehen der Hauptfigur orientiert sich an Jackie (Jacqueline) Kennedy/Onassis. Nehmen wir zum Beispiel Getty, die Sängerin von Teach In. Ich habe sie auf einem meiner Flüge kennengelernt. Dieser Kontakt ist nie mehr abgebrochen, und sie ist tatsächlich eine echte Freundin von mir geworden. In meinem Buch taucht auch ein Bollywood-Star auf. Diese Dame habe ich auf einem meiner anderen Flüge kennengelernt. Bei meiner Ankunft in Sri Lanka erfuhr ich, dass sie noch einen weißen westlichen Mann suchten, der als Statist in einem Bollywood-Film mitwirken könnte. Ich habe mich für den Job beworben und von einem Moment auf den anderen stand ich am Filmset. Ich dachte: ‚Das wird mein Durchbruch!‘, aber letztendlich wurde ich aus dem Film herausgeschnitten. Echt schade! Mit dieser Schauspielerin hatte ich dann aber noch eine Zeit lang Kontakt.“

Was war so reizvoll daran, in der Luft zu arbeiten?


„Es ist eine Lebensart. Ein Arbeitstag ist nämlich nie wie der andere. Jeden Monat war es wieder eine Überraschung. In der einen Woche flog man nach Nairobi und Nigeria, im nächsten Monat nach Australien. Das hat etwas Magisches! Mein erster Flug war eine Schulungsreise nach Wien. Ich saß auf einem Passagiersitz, trug einen blauen Anzug und eine KLM-Stecknadel. Ein Moment, den ich nie vergessen werde! Wenn man für eine Fluggesellschaft arbeitet, lernt man unglaublich viele neue Menschen kennen. Das gilt auch für die Kollegen, denn kein Flug ist wie der andere und man arbeitet fast immer mit einer neuen Crew zusammen. Ich selbst war nur für eine relativ kurze Zeit Flugbegleiter. Nach zwei Jahren habe ich nämlich den nächsten Schritt gemacht. Ich wurde Assistent des Pursers, danach Purser und schließlich Senior-Purser – die Position, die ich letztendlich am längsten während meiner 32-jährigen Karriere bei der KLM ausgeübt habe. Ich hatte keinen eigenen Arbeitsbereich im Flugzeug, war aber der Chef aller Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen. Dadurch hatte man viel mehr Zeit, mit den Menschen zu sprechen. Das passte viel besser zu mir und zu meiner Rolle. Als Flugbegleiter stellte ich öfter die Frage „Hähnchen oder Pasta?“. Als Purser konzentriert man sich mehr auf den PR-Bereich, und das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht!“



In diesen 32 Jahren bei der KLM hast du unglaublich viele Menschen kennengelernt. Könntest du neben deinem neuen Buch „Flying Dolls“ noch ein zweites Buch mit Personen füllen, die dir in Erinnerung geblieben sind?


„In meiner Zeit als Senior Purser habe ich tatsächlich sehr viele verschiedene Menschen kennengelernt. Ich könnte sicherlich noch ein ganzes Buch mit Personen füllen, denen ich auf der ganzen Welt begegnet bin. Das würde zum Beispiel auch mit Kollegen gehen, denn man fliegt eigentlich auf jedem Flug mit einem anderen Team. Jetzt möchte ich vor allem mein allererstes Buch genießen und mich noch nicht auf die Zukunft konzentrieren. Dieses Buch ist mir zum Beispiel ganz spontan über den Weg gelaufen. Du sprichst jetzt von einer Fortsetzung des Buches „Flying Dolls“, und da denke ich mir: ‚Ach ja, das könnte ich tatsächlich machen!‘ Also, wer weiß!“

Was bedeutet Handarbeit für dich?


„Beim Handarbeiten kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen. Ich fertige nichts nach einer Anleitung an, sondern entwerfe alles selbst. Wenn man sich selbst an einen Entwurf macht, muss man wirklich mit dem Kopf dabei sein. Wenn man sich an eine Decke macht und eine Masche häkelt, die sich wunderbar anfühlt, ist das Häkeln beruhigend und entspannend. Das Entwerfen eines Buches und das Schritt-für-Schritt-Aufschreiben und Ausarbeiten aller Muster nimmt dagegen etwas an Entspannung ab. Aber es macht trotzdem riesigen Spaß! Alles, was ich mir ausdenke, muss ich auch häkeln können. Das ist im Gegensatz zum Stricken oder einer anderen Handarbeitstechnik wie dem Punchen. Ich kann stricken und habe großen Spaß daran, aber ich bin der Meinung, dass man mit Häkeln mehr gestalten kann als mit Stricken. Da die Möglichkeiten beim Stricken etwas eingeschränkter sind, sind dem Häkeln keine Grenzen gesetzt. Häkeln ist daher wirklich mein Ding! Bei meinen Häkelentwürfen gehe ich immer bis an die Grenzen, denn Häkeln wird meist mit der Vorstellung verbunden, dass man süße und niedliche Designs machen muss. Für mich liegt die Herausforderung gerade im Unkonventionellen. So bin ich zum Beispiel gerade dabei, Prostituierte aus den 50er Jahren zu häkeln. Mal etwas anderes!“


Welches Garn hast du in dem Buch verwendet?


„Was das Häkeln angeht, bin ich ein großer Fan der Garne von Yarn and Colors. Alle Puppen im Buch ‚Flying Dolls‘ sind daher aus den Knäueln von Yarn and Colors gefertigt. Was Häkelnadeln angeht, finde ich die Clover Soft Touch eine sehr angenehme Häkelnadel, mit der sich gut arbeiten lässt.“


Wie gehst du beim Entwerfen vor?


„Es fängt immer erst mit einer Idee an. Und anstatt die Idee auf Papier auszuarbeiten, fange ich einfach mit dem Häkeln an. Ich halte mich dabei an das Motto von Pippi Langstrumpf: ‚Ich habe das noch nie gemacht, also denke ich, dass ich es schon kann!‘.“ Nach einer Weile dämmert mir allerdings, dass es doch ganz praktisch ist, wenn ich meine einzelnen Schritte aufschreibe, also mache ich das dann auch brav. Außerdem mache ich während des Entwurfsprozesses verschiedene Fotos. Es ist sehr praktisch, neben dem Text auch ein Bild dazu zu haben. Und so komme ich schließlich ans Ziel.“

Was steht noch auf deiner Bastelliste?


„Insgeheim doch noch ein Buch. Ein Buch zu gestalten, gibt einem ein enormes Gefühl der Identifikation, und es macht riesigen Spaß, die eigenen Entwürfe gedruckt und gebunden in den Händen zu halten. Etwas ganz Besonderes! Aber zwischendurch nehme ich auch schöne Projekte in Angriff. So arbeite ich zum Beispiel gerade an einer gehäkelten Mosaik-Decke und daran, zwei mindestens einen Meter hohe Kakteen zu häkeln. Und wie ich schon sagte, schaue ich nicht zu weit in die Zukunft, aber es werden sicher noch ganz tolle Dinge auf mich zukommen.“



„Flying Dolls“ ist auf Wollplatz.de und im Wolplein-Inspirationszentrum in Zaltbommel erhältlich! Klicken Sie hier, um zum Buch zu gelangen.