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Geschichte des Häkelns

Woher kommt das Häkeln und wie hat alles angefangen? Interessante Fragen, zu denen niemand eine sichere Antwort geben kann! Von der Nadelbindung bis zum Granny Square – lies hier alles über die Geschichte des Häkelns!


Viele Länder behaupten, das Häkeln erfunden zu haben – von der arabischen Welt über Südamerika bis hin zu China. Doch keine dieser Techniken ähnelt wirklich dem heutigen Häkeln. Es wurden viele archäologische Funde gemacht, bei denen man annahm, es handele sich um gehäkelte Textilien. Eine dieser Techniken ist das Nålebinding. Diese Technik ähnelt gleichzeitig sowohl dem Häkeln als auch dem Stricken. Für das Nålebinding verwendet man eine Nadel und kurze Garnstücke. Die gesamte Länge des Fadens wird durch jede Schlaufe gezogen. Dadurch entsteht ein dichtes und warmes Gewebe. Die ältesten Beispiele dieser Technik wurden in Ägypten gefunden und sind bis zu 1600 Jahre alt! Übrigens wird Nålebinding in Skandinavien noch immer praktiziert! (Nålebinding ist auch das dänische Wort für „Nadelknoten“).

Wo alles begann

Die ersten echten Belege für das „moderne“ Häkeln stammen aus dem Jahr 1800. Die Technik wurde aufgegriffen, um auf kostengünstigere und schnellere Weise Spitze herzustellen. Die Elite rümpfte die Nase über diese billige Arbeit, und das Häkeln wurde zu einem Status-Imitat für die Mittelschicht. Doch im Jahr 1840 veröffentlichte eine bemerkenswerte Dame elf Bücher über das Häkeln. Diese Dame, Mademoiselle Riego de la Brachardiere, war Inhaberin eines Unternehmens zur Herstellung von Spitze. Sie erkannte die Möglichkeit, Spitzenmuster in Häkelanleitungen umzusetzen und so Arm und Reich mit Spitzenarbeiten zu versorgen. Ihre Initiative ebnete den Weg für den Aufstieg der irischen Häkel-Spitze.

Königin Victoria


Königin Victoria häkelt „Handwärmer“ für die Soldaten, auf denen ihr eigenes Wappen gestickt ist.

Königin Victoria hat das Häkeln groß gemacht. Bevor sie sich diese Technik aneignete, war das Häkeln noch ein Stiefkind. Die Königin häkelte acht Schals (die als „Mufflers“ bezeichnet wurden), um sie der britischen Armee während des Anglo-Burenkriegs zu überreichen. Durch dieses königliche Interesse wurde das Häkeln rasend beliebt.

Häkeln im Wandel der Zeit



Ein Musterbuch aus dem frühen 20. Jahrhundert mit Häkelanleitungen für Dessous, Hüte und Handtücher.

Zwischen 1910 und 1920 wurden Häkelbücher und Häkelanleitungen in großer Zahl produziert. Häkeln galt als elegante Fertigkeit, die jede Frau beherrschen sollte. Im Jahr 1930 wurde die Mode deutlich schlichter. Häkelarbeiten wurden fortan nur noch für Kinder- und Babykleidung verwendet.
Während des Zweiten Weltkriegs war Garn rationiert. Da man zum Häkeln oft mehr Garn benötigt als zum Stricken, galt das Häkeln als Verschwendung. Die Menschen ließen das Häkeln links liegen und stellten komplett auf das Stricken um. Glücklicherweise wurde das Häkeln 1960 von der neuen Generation wieder aufgegriffen.

Vor allem das „Granny Square“ war in der Hippie-Zeit sehr beliebt. Diese Anleitung wurde erstmals 1897 abgedruckt, um Garnreste zu verwerten. Diese Anleitung ist also 116 Jahre alt und nach wie vor äußerst beliebt!



Links: Kleid im Granny-Square-Stil vom Modedesigner Paul Smith.
Rechts: Die Schauspielerin Cate Blanchett in einem Kleid mit Granny Squares.
Die „Oma“ entwickelt sich von sparsam über Flower-Power hin zu modisch!

In den letzten 30 Jahren wurde das Häkeln in die Ecke gedrängt. Es galt als altmodisch und langweilig. Doch wir Häkelfans haben den Wandel schon lange erkannt, und auch berühmte Trendbeobachter wie Lidewij Edelkoord sagen das Comeback der „Häuslichkeit“ voraus. Handarbeiten, Stricken und Häkeln bieten Ruhe in dieser Zeit der schnellen Kommunikation. Unsere „Offline“-Zeit gewinnt an Bedeutung. Anleitungen und Häkelbücher werden neu aufgelegt, und das Internet strotzt nur so vor inspirierenden Blogs und Bildern. Die Zukunft des Häkelns sieht vielversprechend aus.

Auf die nächsten 210 Jahre Häkelgeschichte!